Canberra, Australien

Aktueller City Guide mit Kurzinfos, Reisen, Business und Kultur.

Überblick

Canberra ist Australiens am Reissbrett entworfene Hauptstadt — eine Stadt nationaler Institutionen, Botschaftsviertel rund um Yarralumla und ein See als geometrisches Zentrum, geplant von einem amerikanischen Architekten, der die Vollendung nicht mehr erlebte.

Parlamentarisches Erbe

Kostenlose Führungen durch Parliament House und Old Parliament House sowie die Aboriginal Tent Embassy auf der gegenüberliegenden Wiese — die architektonische und politische Wirbelsäule der Föderation.

Nationale Museen am See

Freier Eintritt in die National Gallery, das National Museum, die National Library, die National Portrait Gallery und das Wissenschaftszentrum Questacon — fünf Weltklasse-Institutionen in fussläufiger Distanz am Südufer des Lake Burley Griffin.

Botschaftsspaziergang

Yarralumla, Forrest und Deakin beherbergen über achtzig diplomatische Vertretungen in jeweils eigenem nationalem Baustil — ein einzigartiger zwei- bis dreistündiger Rundgang durch das diplomatische Canberra mit deutscher, österreichischer und schweizerischer Vertretung als Anker.

Australian War Memorial

Schliesst die Anzac-Parade-Achse mit einer täglichen Last-Post-Zeremonie um 16:55 Uhr. Eintritt frei, halbtägiger Aufenthalt empfohlen.

Riesling und Shiraz aus kühlem Klima

Cellar Doors in Murrumbateman und Hall — Riesling, Shiraz-Viognier, biodynamischer Pinot Noir auf 500 bis 850 Metern Höhe, 30 bis 45 Minuten ausserhalb der Stadt. Vergleichbar mit Mosel und Wachau in der Aromatik.

Floriade und Saisonalität

Frühlings-Blumenfest im Commonwealth Park, Herbstlaub im Parlamentsdreieck, Frost auf dem Lake Burley Griffin im Winter — eine australische Stadt mit tatsächlichen vier Jahreszeiten.

Geschichte

Nach der Föderation 1901 brauchte das junge Commonwealth eine Hauptstadt, die weder Sydney noch Melbourne war — die Verfassung verlangte einen Standort in New South Wales, jedoch mindestens 160 Kilometer von Sydney entfernt. Aus mehr als vierzig Bewerbungen wurde 1908 das Land zwischen den Brindabella-Bergen und der Ebene um Yass ausgewählt, 1913 erfolgte die Grundsteinlegung, und ein internationaler Stadtplanungswettbewerb wurde von dem Chicagoer Architekten Walter Burley Griffin und seiner Partnerin Marion Mahony Griffin gewonnen — mit dem See-und-Achsen-Entwurf, der die Stadt bis heute prägt. 1927 zog die Bundesregierung von Melbourne in das damalige Provisorische (heute Old) Parliament House um. Der Lake Burley Griffin wurde 1964 geflutet, die National Gallery und der Grossteil der Museumsinfrastruktur entstanden zwischen Ende der 1970er und Anfang der 2000er Jahre, das neue Parliament House auf dem Capital Hill öffnete 1988 zur Zweihundertjahrfeier. Das Land vor all dem gehörte und gehört weiterhin den Ngunnawal und Ngambri — eine Tatsache, die heute auf jeder öffentlichen Begrüssungstafel anerkannt wird und die die Aboriginal Tent Embassy auf der Wiese gegenüber dem Old Parliament House seit 1972 politisch sichtbar macht.

Kultur

Die Lonsdale Street (Braddon) und die Kingston Foreshore sind die dichtesten Strassenzüge für Restaurants — asiatische, nahöstliche und moderne australische Küche dominieren. Die Old Bus Depot Markets in Kingston sind sonntags ganzjährig geöffnet. Die Weinregion Canberra District rund um Murrumbateman ist 30 bis 45 Autominuten von der Stadt entfernt — Clonakilla, Helm und Lark Hill setzen den regionalen Massstab. Die Kaffeekultur ist für die Stadtgrösse ungewöhnlich seriös und konzentriert sich um Lonsdale Street und Manuka. Feste: Floriade (Commonwealth Park, Mitte September bis Mitte Oktober — Australiens grösstes Frühlings-Blumenfest), National Multicultural Festival (Civic, Februar), Enlighten Festival (März, Lichtprojektionen und Nachtprogramm), Anzac Day Dawn Service (Australian War Memorial, 25. April), Canberra and Region Heritage Festival (April bis Mai). Museen: National Gallery of Australia, National Museum of Australia, Australian War Memorial, National Portrait Gallery, National Library of Australia, Museum of Australian Democracy at Old Parliament House, Questacon.

Praktisches

Sicherheit: Canberra zählt durchgängig zu den sichersten Städten Australiens. Übliche Vorsicht im urbanen Raum reicht aus — Kleinkriminalität ist niedrig, Gewaltkriminalität selten. Vorsicht bei Buschwanderungen im Sommer (Schlangen, vor allem am Mount Ainslie und am Black Mountain — auf den Wegen bleiben) sowie beim Autofahren in der Dämmerung in den Aussenbezirken (Kängurus auf der Strasse). Notruf: 000 (Polizei, Rettung, Feuerwehr). Sprache: Englisch ist Arbeitssprache. Bedeutende multikulturelle Communities — vor allem im öffentlichen Dienst und im diplomatischen Korps — bedeuten, dass Mandarin, Kantonesisch, Koreanisch, Vietnamesisch, Arabisch, Griechisch und Italienisch in den jeweiligen Vierteln verbreitet sind. Deutschsprachige finden in der Botschaft, an der ANU sowie in einzelnen Vereinen Anschluss. Währung: AUD (Australischer Dollar). Karten werden überall akzeptiert, einschliesslich kontaktlos in der Stadtbahn und in den meisten Bussen; Bargeld verliert spürbar an Bedeutung.
Reiseüberblick

Canberra existiert, weil sich Sydney und Melbourne nach der Föderation 1901 nicht darauf einigen konnten, welche der beiden Metropolen die Hauptstadt der jungen Australischen Föderation werden sollte. Stattdessen wählte man neutrales Land etwa auf halbem Weg zwischen den beiden Städten — verfassungsrechtlich vorgeschrieben in New South Wales, aber mindestens 160 Kilometer von Sydney entfernt. Den internationalen Wettbewerb um den Stadtplan gewann 1912 das Chicagoer Architekturbüro Walter Burley Griffin und Marion Mahony Griffin mit einem Entwurf, der sich um einen künstlichen See und drei Sichtachsen organisierte — die Geometrie, die das Stadtbild bis heute prägt. 1927 zog die Bundesregierung von Melbourne in das damalige Provisorische Parlament um, der Lake Burley Griffin wurde 1964 geflutet, das neue Parliament House auf dem Capital Hill öffnete pünktlich zum 200-jährigen Jubiläum 1988, und nach und nach versammelten sich entlang des Sees die nationalen Institutionen, die einen Besuch heute strukturieren: das Australian War Memorial am Fuß des Mount Ainslie, die National Gallery und die National Library am Südufer, das National Museum auf der Acton-Halbinsel und das Botschaftsviertel, das sich von Capital Hill südwestwärts über Yarralumla, Forrest und Deakin in Strassenzüge eingeschossiger Residenzen hinter Hecken zieht. Mit rund 470.000 Einwohnern ist Canberra überschaubar, durchgrünt nach den Prinzipien der Gartenstadt mit Buschkorridoren zwischen den Vororten, und in einer Weise jahreszeitlich geprägt, wie es die meisten australischen Küstenstädte nicht sind: echte Frostnächte im Winter (Juni bis August), trockene heisse Sommer mit Höchstwerten in den hohen Dreissigern, ein lange dauerndes Herbstlaubschauspiel im April und Mai dank der von Griffin geplanten europäischen Strassenbäume, und ein Frühling, der vom einmonatigen Floriade-Blumenfest im Commonwealth Park geprägt wird. Die Stadtbahnlinie R1 von Gungahlin bis ins Stadtzentrum wurde 2019 eröffnet und wird derzeit südwärts nach Woden verlängert; Busse von Transport Canberra bedienen die übrige Stadt mit der MyWay+-Karte oder kontaktloser Bankkarte. Der Flughafen Canberra (CBR) ist 25 Autominuten vom Zentrum entfernt; mit dem Auto oder dem Murrays-Fernbus erreicht man Sydney in drei Stunden. Lufthansa, Eurowings, Edelweiss und Swiss bieten zwar keine Direktverbindungen — die typische Anreise aus dem deutschsprachigen Raum führt über Singapur, Doha oder Dubai nach Sydney und dann mit Inlandsflug, Zug oder Mietwagen in die Hauptstadt — die Strecke Frankfurt/München/Wien/Zürich nach Sydney ist eine der längsten Flugverbindungen, die regelmässig gebucht werden, und Canberra ist der ruhige Gegenpol nach der Ankunft. Wer bereits in Sydney einen Embassy-Termin oder ein Studienprogramm vor sich hat, baut Canberra häufig als Drei-Tage-Erweiterung ein.

Canberra entdecken

Das Parlamentsdreieck — der Streifen zwischen dem Capital Hill, dem Verteidigungsareal Russell und dem Geschäftszentrum City Hill, mit dem Lake Burley Griffin in der Mitte — ist das zeremonielle Herz des Griffin-Plans. Romaldo Giurgolas Parliament House von 1988 wurde bewusst in den Hügel hineingebaut statt darauf gesetzt, sodass die Öffentlichkeit buchstäblich über die Legislative spazieren kann: das mit Rasen begrünte Dach ist begehbar. Das Mosaik auf dem Vorplatz stammt vom Western-Desert-Künstler Michael Nelson Jagamara und zählt zu den grössten Werken indigener öffentlicher Kunst in Australien. Im Inneren bieten kostenlose Führungen täglich einen 25-minütigen Heart-of-the-House-Rundgang oder eine 45-minütige Best-of-Parliament-Tour durch die Members' Hall, den nach Westminster gestalteten roten Senat und das eukalyptusgrüne Repräsentantenhaus. An Sitzungstagen kann man von der Besuchertribüne aus die Question Time miterleben — eine bemerkenswert lebhafte parlamentarische Befragung. Das Old Parliament House von 1927, heute das Museum of Australian Democracy (MoADOPH), bewahrt das Gebäude, von dem aus Australien sechs Jahrzehnte regiert wurde — die Kammern, die Büros der Premierminister und die Pressetribüne sind so erhalten, wie man sie 1988 verlassen hat. Auf der gegenüberliegenden Wiese steht die Aboriginal Tent Embassy: 1972 errichtet und damit eine der am längsten bestehenden Protestbesetzungen weltweit, weiterhin politisch aktiv und für deutschsprachige Besucherinnen und Besucher oft die unerwartetste Begegnung mit Australiens unaufgeräumter Selbstauseinandersetzung.

Diplomatische Vertretungen in Canberra

13 Vertretungen in dieser Stadt, nach Region gruppiert.