Wien, Österreich

Bundeslandführer mit Städten, Regionen und wichtigen Informationen.

Einführung
Wien ist eines der ungewöhnlichen Bundesländer — zugleich Statutarstadt und Bundesland, mit denselben Grenzen für beide Verwaltungsebenen, und die politische und kulturelle Schwerkraft Österreichs. Über die kaiserliche Innere Stadt hinaus erstreckt sich der Ballungsraum über 23 Bezirke, von der Westgrenze des Wienerwald-Biosphärenreservats über die östlichen Donau-Auen bis zum Flughafen Schwechat im Süden, gerahmt von einem Kranz aus Stiften, Kurorten und Heurigendörfern, die teils noch innerhalb der Stadtgrenzen, teils im niederösterreichischen Speckgürtel liegen. Für Reisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Wien gleichzeitig nah und doch eigenständig: die Westbahn aus München erreicht Wien Hauptbahnhof in vier Stunden, Lufthansa und Austrian Airlines verbinden Frankfurt und München mehrmals täglich mit Wien-Schwechat, und Edelweiss sowie Swiss bedienen Zürich-Wien als ein- bis zweistündige Direktverbindung. Auf Bundeslandebene gelesen offenbart Wien seine metropolitane Tiefe: den Flughafenkorridor, die Vorortgürtel von Liesing bis Donaustadt, die Weinbergrücken im 19. und 21. Bezirk mit Heurigen innerhalb der Stadtgrenzen und einen Tagesausflugsradius, der die Wachau, Bratislava, das Burgenland und den Semmering binnen 90 Minuten Bahnfahrt einschließt.

Wien entdecken

Die 23 Wiener Gemeindebezirke schrauben sich in einer Spirale von der Inneren Stadt (1. Bezirk) nach außen: zunächst die Innenbezirke 2 bis 9 zwischen Ringstraße und Gürtel, dann die Außenbezirke 10 bis 23 jenseits des Gürtels, in denen die Mehrzahl der knapp zwei Millionen Wienerinnen und Wiener tatsächlich wohnt. Der Charakter wandelt sich mit der Bezirksnummer: Wieden und Margareten (4. und 5.) tragen einen ruhigen, biedermeierlich anmutenden Wohncharakter, Mariahilf (6.) hält die Mariahilfer Straße als wichtigste Einkaufsachse, Neubau (7.) konzentriert das MuseumsQuartier und das dichteste Bar- und Designviertel, Josefstadt (8.) bewahrt die Tradition des kleinen Theaters um das Theater in der Josefstadt und das Volkstheater, Alsergrund (9.) hält das Sigmund-Freud-Museum und das medizinisch-universitäre Quartier um das Allgemeine Krankenhaus. Jenseits des Gürtels öffnet sich die Stadt: Favoriten (10.) ist der bevölkerungsreichste und sozial vielfältigste Arbeiterbezirk, Hietzing (13.) umschließt die Schönbrunner Schlossgärten und den Lainzer Tiergarten, Döbling (19.) klettert die Heurigenhänge nach Grinzing und Nussdorf hinauf, und Donaustadt (22.) reicht über die Donau bis zur UN City und den Sommerbädern an der Alten Donau. Jeder Außenbezirk besitzt seinen eigenen kleinen Mittelpunkt, einen Sonntagsmarkt und eine Pfarrkirche — das Gewebe der gelebten metropolitan-wienerischen Alltagsstadt.

Reisearten

Hauptstadtregion und Kulturerbe

23 Bezirke von der kaiserlichen Inneren Stadt über die Ringstraße bis zu den Außenbezirken und Weindörfern — Schönbrunn, Hofburg, Belvedere, Stephansdom, Rathaus und das Konzentrat an der Ringstraße im Zentrum, ergänzt durch den Stiftekranz aus Klosterneuburg, Heiligenkreuz, Laxenburg und Baden bei Wien im unmittelbaren Hinterland.

UN-Hauptsitz und diplomatische Geographie

Einer von vier offiziellen UN-Hauptsitzen weltweit — UNOV, UNIDO, UNODC, IAEA, CTBTO im Vienna International Centre in Donaustadt, OPEC und OFID am Schottenring, OSZE in der Hofburg, dazu die dichteste Botschaftsdichte Mitteleuropas im Stadtpark-, Belvedere- und Döbling-Korridor.

Wienerwald und Donau-Auen — Natur vor der Haustür

UNESCO-Biosphärenpark Wienerwald an der westlichen Stadtflanke, Lainzer Tiergarten mit Wildschweinen innerhalb der Stadtgrenzen, Kahlenberg und Leopoldsberg mit dem klassischen Wien-Panoramablick, dazu der Nationalpark Donau-Auen vom Lobau-Augebiet ostwärts bis zur slowakischen Grenze.

Heurigenkultur und Wiener Gemischter Satz

Die einzige Welthauptstadt mit nennenswertem kommerziellen Weinbau innerhalb der politischen Grenzen — Wiener Gemischter Satz DAC, Heurigen in Grinzing, Sievering, Nussdorf, Stammersdorf, Mauer und Oberlaa, Buschenschankrecht und Föhrenzweig-Tradition seit dem Edikt Joseph II. aus 1784 unverändert.

Tagesausflüge — drei Länder in zwei Stunden

Wachau-UNESCO-Kulturlandschaft (Krems, Dürnstein, Melk) in 75 Minuten Bahnfahrt, Bratislava in einer Stunde mit dem Railjet oder 75 Minuten mit dem Twin City Liner, Burgenländischer Neusiedler See in einer Stunde, Semmering-UNESCO-Gebirgsbahn und Schneeberg-Alpenarm in 90 Minuten.

Festivals und Musik im metropolitanen Maßstab

Donauinselfest im Juni (Europas größtes kostenloses Open-Air, drei Millionen Besucher), Wiener Staatsoper und Musikverein mit über 300 Aufführungen jährlich, Wiener Festwochen Mai/Juni, Filmfestivals am Rathausplatz im Sommer, Adventmärkte in Schönbrunn, Belvedere, Spittelberg und am Rathaus ab Mitte November.

Wien — praktische Reisehinweise
  • Wien ist gleichzeitig Bundesland und Stadt — die Verwaltungsgrenzen sind deckungsgleich, sodass dieselbe Adresse auf amtlichen Dokumenten sowohl 'Land Wien' als auch 'Stadt Wien' tragen kann. Visumsantragsteller aus anderen Bundesländern Österreichs behandeln Wien als regionale Hauptstadt für Botschaftstermine.
  • Die Wiener-Linien-Tarifzone deckt das gesamte Bundesland ab. Der Flughafen Wien-Schwechat (VIE) liegt formal in Niederösterreich, ist aber durch CAT (16 Min.) und S7-Schnellbahn (25 Min.) funktional Teil des Wiener Netzes. Die 24/48/72-Stunden-Wien-Karte deckt das Flughafenticket nicht ab — separates Ticket erforderlich.
  • Heurigen sind saisonal geöffnet — die meisten arbeiten nach einem Roster (ausg'steckt), signalisiert durch den Föhrenzweig über der Tür. Viele schließen mehrere Wochen im Winter; vor der Anreise zu einem bestimmten Dorf den aktuellen Öffnungszyklus prüfen.
  • Das UN-City-Areal (Vienna International Centre) bietet öffentliche Führungen werktags an — Sicherheitskontrolle erforderlich, Voranmeldung verpflichtend, Lichtbildausweis mit Buchungsnamen am Tor vorzulegen.
  • Die Wiener Kaffeehauskultur (UNESCO-immaterielles Kulturerbe) ist gelebte Praxis, kein Tourismus-Schauspiel — eine Melange erkauft unbegrenzte Verweildauer am marmornen Tisch mit Zeitungen auf Holzstecken, doch die ungeschriebene Regel an vollen Wochenenden lautet: mindestens ein Getränk pro Stunde.
  • Schloss Schönbrunn liegt in Hietzing (13. Bezirk), erreichbar mit der U4 bis Schönbrunn oder der Straßenbahn 60 — Ankunft zur 8:30-Uhr-Öffnung empfehlenswert, um den Reisebussen zuvorzukommen. Belvedere liegt im 3. Bezirk, ab Hauptbahnhof mit der Straßenbahn D. Die Hofburg-Anlage in der Inneren Stadt erreicht man mit der U3 bis Herrengasse.
  • Sonntag ist ein echter Ruhetag — die meisten nicht-touristischen Geschäfte sind geschlossen, Museen und Schlösser geöffnet, Lokale in Touristengebieten in Betrieb, aber Grätzel-Cafés mitunter geschlossen. Wocheneinkauf am Samstag erledigen; die Bezirksvorstehung-Magistratsabteilungen schließen ab Freitagnachmittag bis Montagvormittag.
  • Der Wienerwald ist gut markiert, doch das Bergwetter wechselt schnell — auch im Sommer Lagen mitnehmen für die Schneeberg- oder Rax-Seilbahnausflüge, und vor mehrtägigen Touren die Hütten-Status-Seiten des Österreichischen Alpenvereins prüfen.
  • Landeswährung ist der Euro (Österreich ist seit 1999/2002 in der Eurozone). Kartenzahlung einschließlich kontaktlos ist universell; eine kleine Bargeldreserve bleibt sinnvoll bei Heurigen, kleinen Marktständen und in Schrebergartenlokalen am Wochenende. Reisende aus der Schweiz sollten CHF in der Hauswechselstube oder am Bankomat in Euro tauschen — der Schweizer Franken wird in Wien nicht akzeptiert.
  • Trinkgeld in Österreich erfolgt direkt — bei Getränken auf den nächsten Euro aufrunden, beim Restaurantmahl 5 bis 10 Prozent ergänzen, der Bedienung beim Zahlen mit Gesamtsumme angeben. Service ist theoretisch inkludiert; ein kleines Trinkgeld wird erwartet und signalisiert Zufriedenheit.
  • Österreichisches Deutsch ist Amtssprache — Begriffe und Speisennamen weichen vom Bundesdeutschen ab (Marille statt Aprikose, Erdäpfel statt Kartoffeln, Topfen statt Quark, Paradeiser statt Tomate). Der Gruß lautet öfter 'Grüß Gott' als 'Hallo'. Englisch wird im touristischen und diplomatischen Bereich universell gesprochen.
  • Twin-City-Liner-Tickets zwischen dem Schwedenplatz-Anleger und Bratislava sind an Sommerwochenenden ausgebucht — mehrere Tage im Voraus buchen. Die Railjet-Bahn-Alternative ist schneller, billiger und häufiger, hat aber kein Donau-Panorama.
Städte in Wien

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