Graubünden, Schweiz

Bundeslandführer mit Städten, Regionen und wichtigen Informationen.

Einführung
Graubünden ist der grösste Kanton der Schweiz nach Fläche — ein hochalpines Territorium von 7.105 Quadratkilometern im Südosten des Landes, angrenzend an Österreich, Liechtenstein und Italien. Es ist der einzige offiziell dreisprachige Kanton der Schweiz, mit Deutsch, Rätoromanisch und Italienisch als gleichberechtigten Amtssprachen. Die Landschaft reicht von der Rheinschlucht (Ruinaulta, bekannt als der Schweizer Grand Canyon) im Norden bis zum Berninamassiv an der italienischen Grenze und umfasst das Engadin, das Prättigau, die Surselva und Dutzende von Seitentälern. Für Reisende ist Graubünden vor allem für drei Dinge bekannt: erstklassige Bergskigebiete (St. Moritz, Davos, Laax, Arosa, Lenzerheide), die Rhätische Bahn als UNESCO-Welterbe (Albula- und Berninalinien — die landschaftlich eindrucksvollsten Bergbahnen Europas) und das Oberengadin mit seinen Hochseen, Lärchenwäldern und Gletscherzugängen. Chur, die Kantonshauptstadt und älteste Stadt der Schweiz (besiedelt seit 3000 v. Chr.), liegt 2 Stunden von Zürich entfernt und ist der Ausgangspunkt für alle Bahnstrecken in den Kanton.

Graubünden entdecken

St. Moritz (1.856 m, rund 5.000 Einwohner) liegt im Oberengadin am östlichen Ende des St. Moritzersees auf einer breiten, nach Süden ausgerichteten Terrasse — das gibt ihm mehr Sonnenstunden pro Jahr als Rom. Hotelier Johannes Badrutt nutzte dies 1864 für eine berühmte Wette: Er überredete seine englischen Sommergäste, im Winter zurückzukehren, und legte damit den Grundstein für den alpinen Wintertourismus. Das Skigebiet umfasst Corviglia (per Standseilbahn ab St. Moritz-Dorf erreichbar) und Signal/Piz Nair (Panoramagipfel auf 3.057 m). Der Cresta Run — die 1884 eröffnete Naturbahn für Skeleton, 1.212 Meter von Start bis Ziel, nur für Mitglieder und Gäste des St. Moritz Tobogganing Club zugänglich — führt durch zehn überhöhte Kurven zum Zielschuss. St. Moritz ist ausserdem Schauplatz des White Turf (Pferderennen und Polo auf dem gefrorenen See, Februar) sowie der Skiweltmeisterschaften. Im Sommer umgeben Wanderwege die Engadiner Seen; das Segantini Museum zeigt die grösste Sammlung von Werken des Symbolisten Giovanni Segantini, der seine letzten Lebensjahre im Engadin malte.

Reisearten

Rhätische Bahn — UNESCO-Welterbe

Albulalinie (55 Tunnels, 196 Brücken, Landwasserviadukt) und Berninalinie (höchste Freiluft-Alpenüberquerung auf 2.253 m, ohne Zahnradbetrieb). UNESCO-Welterbe seit 2008. Bernina Express nach Tirano (4 h) und Glacier Express nach Zermatt (7h30) erfordern Reservierung.

St. Moritz und Oberengadin

Geburtsort des alpinen Wintertourismus (1864): Corviglia/Piz Nair-Skigebiet, Cresta Run, White Turf Pferderennen auf gefrorenem See. Sommer: Engadiner Seenrunde, Diavolezza-Seilbahn (2.978 m), Morteratschgletscher-Wanderweg, Pferdekutsche ins Val Roseg.

Davos und das Parsenngebiet

Höchste Stadt der Alpen (1.560 m), grösstes Skigebiet Graubündens: Parsenn–Klosters (Weissfluhjoch 2.844 m bis Küblis 1.124 m, einer der längsten Vertikalabstiege der Schweiz). WEF im Januar; literarisches Erbe des Zauberbergs; Mountainbike im Sommer.

Rheinschlucht (Ruinaulta)

Schweizer Grand Canyon — 13 km weisse Kalksteinwände bis 400 m tief am Vorderrhein. Erreichbar per RhB-Zug, Uferpfad (7 km, autofrei) oder Velo. Skigebiet Flims-Laax am nördlichen Schluchtrand (grösste Halfpipe Europas).

LAAX — Europas grösste Halfpipe

Flims-Laax-Falera: 224 km Pisten, grösste Halfpipe Europas, Freestyle-Berg Crap Sogn Gion, Spitzen-Slopestyle-Events. Dazu: Arosa Lenzerheide (225 km Pisten, per Gondel verbunden seit 2013) und Arosa Bärenland.

Rätoromanisches Sprachland

Einziger Ort der Welt, an dem Rätoromanisch als lebendige Alltagssprache genutzt wird — fünf Regionaldialekte, dreisprachige Beschilderung im gesamten Kanton. Wichtigste rätoromanische Gebiete: Surselva (Bezirk Ilanz), Oberengadin (Gruss: «allegra»). Rätoromanische Ortsnamen neben Deutsch und Italienisch.

Graubünden — Praktische Hinweise
  • Bernina Express (Chur/Davos–Tirano) und Glacier Express (St. Moritz–Zermatt) erfordern einen Reservierungszuschlag zusätzlich zum Swiss Travel Pass (ca. CHF 13–49 je nach Zug und Saison). Mindestens 2 Wochen im Voraus buchen in der Hochsaison (Juli–August und Dezember–März). Reguläre RhB-Züge auf denselben Strecken fahren ohne Reservierung und sind vollständig durch den Swiss Travel Pass abgedeckt.
  • Die Albulalinie (Chur–St. Moritz via Albulatunnel) ist eine UNESCO-Welterbe-Eisenbahn — es lohnt sich, die Hinfahrt so zu planen, dass man Bergün und die Albulaspiralschleifen bei Tageslicht durchfährt. Auf der Rückfahrt ist das Licht über den Engadiner Seen zwischen Bever und Samedan am späten Nachmittag eindrücklich.
  • St. Moritz hat zwei Bahnhöfe: St. Moritz (Stadtzentrum und Corviglia-Standseilbahn) und Pontresina (Berninalinie, Morteratsch, Val Roseg). Die beiden Stationen liegen eine RhB-Haltestelle auseinander. Die Skigebiete Corviglia/Piz Nair und Diavolezza/Lagalb sind nicht durch Lifte verbunden — für jedes sollte ein ganzer Tag eingeplant werden.
  • Davos gliedert sich in Davos Platz (Hauptbahnhof, grössere Einkaufsmöglichkeiten) und Davos Dorf (Parsennbahn-Standseilbahn, näher am Weissfluhgipfel). Intercity-Züge halten in Davos Platz. Ein kostenloser Ortsbus verbindet beide Ortsteile.
  • Die Rheinschlucht-Wanderung (Ruinaulta) von Valendas-Sagogn nach Versam-Safien (7 km) dauert 2–3 Stunden und erfordert festes Schuhwerk. Der Weg führt zweimal über Hängebrücken und hat einige exponierte Felspassagen. Kinderwagen sind nicht geeignet. Anreise per RhB nach Valendas-Sagogn, Rückkehr ab Versam-Safien.
  • Das Rätoromanische steht unter bundesrechtlichem Schutz (Artikel 4 der Bundesverfassung). Im Engadin ist «allegra» (aus dem Lateinischen für «fröhlich/lebendig») der allgemeine Gruss — in gleicher Weise zu antworten wird überall geschätzt. Schriftliche Mitteilungen und Speisekarten im Unterengadin (Bezirk Scuol) erscheinen oft im Vallader-Dialekt.
  • Graubünden grenzt an Italien; der Bernina Express überquert das italienische Hoheitsgebiet (Tirano). In der Schweiz gelten Schweizer Franken; in Tirano werden Euro und Karten gleichermassen akzeptiert. Der Bus von Tirano nach Lugano akzeptiert Bargeld und Karten.
  • Skipässe: Die Skigebiete St. Moritz (Corviglia) und Diavolezza haben keinen gemeinsamen Pass — jedes erfordert einen eigenen Pass oder ein 4-Täler-Kombiticket. Davos-Klosters hat einen gemeinsamen Skipass für alle sechs Berge. Flims-Laax (LAAX) hat einen eigenen Pass. Der Swiss Travel Pass deckt keine Skilifts in Graubünden ab.
  • Wandern im Sommer: Graubünden verfügt über 11.000 km markierte Wanderwege. Die Engadiner Skimarathon-Strecke (42 km rund um die Engadiner Seen) ist im Sommer als mehrtägige Wanderroute begehbar. Die Via Engiadina (120 km) führt entlang der Ostflanke des Tals mit konstantem Bernina-Panorama. Die meisten Ausgangspunkte sind per Postauto erreichbar.